21.07.08 Alexander Engelen
Die HipHop-Kandidatin
Bei der Suche nach dem richtigen US-Präsidentschaftskandidaten für die Generation HipHop schossen sich Medien und Öffentlichkeit (WKR inklusive) schnell auf einen Mann ein: Barack Obama. Eine Entscheidung, die sich nach dem Ende der Primaries und der Bipolarität des amerikanischen Zwei-Parteiensystems leicht bestätigte. Obama selbst fühlte sich in dieser Rolle durchaus wohl, erzählte ein ums andere Mal von den Jay-Z-Tracks auf seinem iPod und freute sich über den Support von Will.I.Am, Vibe Magazine, Nas und vielen mehr. Der derzeitige Shift Barack Obamas hin zur politischen Mitte hat diese Eigendynamik verlangsamt. Ein Schritt, der hinsichtlich des nahenden Showdowns zwar nachvollziehbar ist, aber den Hoffnungsschimmer der »Obamamania« ein wenig verdunkelte. In dieser Mischung aus Unsicherheit und Frust hat sich ein neuer HipHop-Kandidat aufgetan. Er ist weiblich und heißt Cynthia McKinney.
Die 53-jährige Kongressabgeordnete aus Georgia geht im November als Kandidatin der amerikanischen Green Party für das Präsidentschaftsamt ins Rennen. Die Nähe zur HipHop-Szene erklärt sich einerseits durch ihre politischen Inhalte und durch ihre vergangenen Aktivitäten: Sie setzte sich etwa für den so genannten »Tupac Shakur Records Act« ein, der eine Veröffentlichung der Akten um den Tod des Westcoast-Rappers fordert. Andererseits holte sich Cynthia McKinney am vergangenen Wochenende Unterstützung aus dem Herzen der Szene. Mit Rosa Clemente nominierte sie eine bekannte HipHop-Aktivistin als ihre Vize-Präsidentschaftskandidatin.
Abgesehen von dem historischen Fakt, dass somit das erste Mal ein Präsidentschaftsteam aus zwei afroamerikanischen Frauen um die Wahl kämpft, stellt die Nominierung Rosa Clementes auch einen historischen Punkt für die HipHop-Generation dar. Das erste Mal bekennt sich ein (Vize-)Präsidentschaftskandidat dezidiert als aktiver Teil der HipHop-Szene. In ihrer Rede, in der sie ihre Nominierung akzeptierte, machte sie ihre Verbundenheit zu dem Genre zu einem zentralen Thema: »I am from the HipHop generation, and we can remix anything. Today my words will, hopefully, not only express my honor, my humbleness, but my readiness to take on this task and the responsibility that I have been asked to accept. The only way I can even begin to accept this nomination is that I must understand that I am just a vessel, a representative of the work of an entire generation and HipHop radical activist movement.«
Weiter führte sie aus, wie sie im Team mit Cynthia McKinney die definitorische Luftblase »HipHop-Generation« repräsentiert: »This campaign is the opportunity the HipHop generation has been working for. This is our time to address the issues affecting our communities — rising unemployment, the high cost of food and housing, a lack of quality public education and access to higher education, the prison-industrial complex, and unaccountable corporate media. These issues are not being addressed by either the Republican or Democratic nominee.«
Im amerikanischen Zwei-Parteiensystem wird die Green Party wahrscheinlich nicht den Funken einer Chance haben, Szene-prominente Unterstützung hat das Team McKinney/Clemente jedoch bereits gefunden. Public Enemys Chuck D zollte der Kandidatin für ihre Arbeit als Aktivistin mehrfach öffentlich Respekt. Und Rapper M-1 von Dead Prez erklärte sogar, dass er unter diesen Umständen das erste Mal in seinem Leben von seinem Wahlrecht Gebrauch machen würde.
AZ
22.07.08davon abgesehen dass sie keine chance haben werden sie ihre wenigen stimmen zum großteil auf kosten von obama machen – bitterer beigeschmack der aktion
mikis
23.07.08ja ein klein bisschen bitterer beigeschmack auf jeden fall, aber trotzdem eine schöne richtung. hoffen wir mal das die mädels nach der wahl nicht in der versenkung verschwinden