21.06.07 Johannes Desta

HipHop in der DDR

Die Wiedervereinigung jährt sich demnächst zum 17. Mal und trotzdem habe ich mir all die Jahre nie auch nur den Ansatz eines Gedankens gemacht, was die Jungs und Mädels drüben in der DDR HipHop-technisch so getrieben haben. Und da ich nie darüber nachgedacht habe, konnte mein erster Gedanke auch nicht »wo es keine Bananen gab, gab es sicher auch keinen HipHop« sein—er wäre es aber wohl gewesen, wenn ich angefangen hätte, darüber nachzudenken, was ich aber wiegesagt nicht getan habe.

Dass »erste Gedanken« einer sachlichen Überprüfung oftmals nicht standhalten, zeigt dieser sehr interessante Artikel auf ard.de, der bereits seit Anfang März online ist. Ich jedenfalls bin erst jetzt darauf gestoßen. Gespickt ist er mit hörenswerten, der Radio-Reportage »HipHop in der DDR« entnommenen Audiobeiträgen in typischer »Ossi-Lingo«.

Die ab den frühen Achtzigern aus dem kapitalistischen Westen über die Mauer schwappende Jugendbewegung war den einschlägigen Funktionären eher ein Dorn im Auge. Jedoch war ihnen auch klar, dass die Mauer keine Radio- und TV-Wellen aus dem Westen aufhalten konnte. So taten sie das beste und instrumentalisierten die sich damals vorwiegend über Breakdance ausdrückende Bewegung, indem sie sie als »akrobatischen Showtanz« in die FDJ-Bewegung integrierten.

Die Radio-Reportage in ihrer vollen Länge habe ich leider nicht gefunden. Dafür aber den Link zu einem Dokumentar-Film mit dem Titel »Here We Come«, der eben diesen, völlig ausgeblendeten Teil der DDR-Geschichte beleuchtet. Der dazugehörige Trailer lässt sich gut an. Regulär angelaufen ist der Film gleichwohl noch nicht. Derzeit bemüht sich die Produktionsfirma Miromar um den Vertrieb. Es könnte also gut sein, dass er irgendwann demnächst in den Programmkinos dieser Republik laufen wird.

Darüber hinaus hat die Behörde der—jetzt Vorsicht bitte, Behördendeutsch par excellence—Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, kurz BStU, ihre Archive nach Spuren der HipHop-Kultur in Mitteldeutschland durchstöbert und Fotos zutage befördert, die noch bis zum 15. Juli 2007 in der Leipziger Ausstellung »The Early Days« – die Geschichte der HipHop-Kultur in der DDR begutachtet werden können. Das könnte man ja, wenn man zwischen dem 6. bis 8.7.2007 sowieso das dieses Jahr das erste Mal vor den Toren Leipzigs stattfindende Splash-Festival besucht, gleich noch im Rahmen eines kleinen Stadtrundgangs mitnehmen. Nur so ein Gedanke.

Ergänzung: Wobei ich gerade sehe, dass der Splash-Slogan »Halbinsel Pouch (wie spricht man das eigentlich aus?) bei Leipzig« ähnlich optimistisch ist wie die Ryan-Air-Aussage, Frankfurt(-Hahn) anzufliegen, denn Pouch liegt gute 40 Kilometer von Leipzig entfernt. Vielleicht doch kein so guter Gedanke, mal eben so während des Splashs einen Abstecher in die bevölkerungsreichste Stadt Sachsens zu machen, aber wie war das doch gleich mit »ersten Gedanken«…

  

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Kommentare:

  1. Ich hab den Film bereits Anfang des Jahres in der Leipziger Nato sehen können und fand ihn sehr gut und lustig.
    Besonders die idealistische Wendung von der »westlichen Kulturseuche« hin zur unterstützenswerten Kultur der unterdrückten Schwarzen in den westlichen Staaten ist schon obskur. Daneben plaudern, tanzen und beatboxen Leute wie Bürger Lars Dietrich und andere Legenden, von denen ich ob meines damaligen geringen Lebensalters bis dato noch nie etwas gehört habe.
    Auf jeden Fall ein sehenswerter Film. Falls es der Film nicht in die besagten Programmkinos schaffen sollte, einfach mal den Regisseur Nico Raschick über die Website kontaktieren und nach einer DVD fragen. Da lässt sich bestimmt was machen.

  2. Hey Sven, danke für Deinen Tip. Hatte bereits versucht, Nico Raschick über die Seite zu kontaktieren, um Details über Spielzeiten, DVD-Vertrieb etc. zu erfragen. Die Mail wurde aber direkt an diese Produktionsfirma Miromar weitergeleitet und von denen mit einer automatischen Antwort beantwortet. Vielleicht liest Nico Raschick ja diesen Artikel hier und postet die Infos womöglich direkt hier rein.
    Hast Du besagte Ausstellung in Leipzig schon besucht?

  3. Stephan

    24.06.07

    Mir empfahl man zur Übernachtung beim Splash das Hotel Ambassador in Bitterfeld (!). Von wegen »bei Leipzig«. Wie man »Pouch« korrekt ausspricht, erfährt man übrigens in einem amüsanten Interview mit Splash-Macher Mirko Roßner, geführt vom Kollegen Schacht, drüben bei mixeryrawdeluxe.tv.

  4. Hallo Hannes,

    zur besagten Ausstellung hab ich’s leider noch nicht geschafft.

  5. Arok

    11.07.07

    hoffe dass es den film mal irgendwo zu sehen gibt. empfehlenswert übrigens auch die ab ca. 1983 auf Amiga erschienenen DDR Rap/Electro Scheiben – zum Teil »totally freaked out«....ich denke dabei nur an texte wie »lila und rot, die autos sind tot« oder »disco in der u-bahn«

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