16.08.07 Stephan Szillus
Camp Lo
– Black Hollywood
»Der Untergrund bebt.«
Der erste Gedanke: Die haben doch den Schuss nicht gehört. Der zweite: Was für coole Hunde. Sowohl Camp Lo als auch die Betreiber ihres neuen Labels Good Hands Records (die offenbar auch Killah Priests kommendes "The Offering"-Album veröffentlichen werden) gehen mit diesem Projekt natürlich ein Wagnis ein. Nach zwei bis drei Hördurchgängen ist die Sensation jedoch sicher: Das dritte Album der beiden Verbalstyler aus der Bronx kann man musikalisch nur als ernsthaft gelungenes Comeback bezeichnen.
»Black Hollywood« mit ihrem grandiosen Erstling »Uptown Saturday Night« zu vergleichen, macht schon aufgrund der dazwischen liegenden Zeitspanne von einer Dekade nicht viel Sinn. So viel ist jedoch sicher: Von ihrem ultrarelaxten Swagger haben Sonny Cheeba und Geechi Suede keinen Deut eingebüßt, was sie schon im Opener »Posse From The Bronx« beweisen, in dem sie reihenweise assoziative Wortkaskaden über ein sattes Clap-Gerüst mit eingebautem BDP-Sample schicken. Ihre kreative Kombination aus Straßenslang und einer latent intellektuell-arroganten Kante begeistert auch auf Stücken wie »82 Afros«, »Money Clap« oder dem Titelstück »Black Hollywood«.
Wikipedia behauptet, die beiden seien für eine Art lyrischen Blaxploitation-Dadaismus berühmt geworden. So weit muss man sich aber gar nicht aus dem Fenster lehnen: Ihr passgenauer Back-and-Forth-Braggadocio kann vielmehr mit Fug und Recht als stilistischer Vorläufer des unantastbaren Rhymestyles der Clipse-Brüder gesehen werden. Auch im Soundbild gibt es durchaus Parallelen zwischen dem Neuentwurf, den Altmeister Ski Beatz auf den zwölf Stücken von »Black Hollywoord« gezeichnet hat, und der minimalistischen Ware, die die Herren Williams und Hugo im letzten Jahr für ihre Dealerfreunde aus Virginia Beach bereitstellten – so hätte der rohe Throwback-Beat von »Pushahoe« durchaus in ähnlicher Form auch auf »Hell Hath No Fury« vertreten sein können.
Abgesehen davon schafft Ski Beatz es auf beeindruckende Art und Weise, den klassischen Camp-Lo-Referenzrahmen neu abzustecken: Die simplen, aber stets effektiven Samples aus 70er-Blaxploitation-Soundtracks wurden immerhin kürzlich auch von The Alchemist auf Prodigys »Return Of The Mac« zurück in die HipHop-Jetztzeit geholt, und dank des zwar traditionsbewussten, aber ästhetisch stets modernen Drumprogrammings klingt »Black Hollywood« zu keinem Zeitpunkt nach verklärtem Zurück-in-die-Goldene-Ära-Rap. Zwar existiert in Stücken wie »Zoom«, das geschickt die Random-Rap-Perle »Get Retarded« von MC EZ & DJ Troup zitiert, durchaus ein doppelter Boden, doch auch ohne das zum Dekodieren solcher Referenzen erforderliche Hintergrundwissen knallen sie wie nichts Gutes.
Gut, machen wir uns nichts vor: »Black Hollywood« ist trotz seiner überraschenden Stärke wohl kein designierter Klassiker wie das erwähnte Clipse-Meisterwerk, aber es ist ein kreatives, unterhaltsames und ausfallarmes Album zweier stilprägender MCs, von denen man im Grunde nichts mehr erwartet hatte. Und gerade solche Überraschungen werden zumindest bei mir häufiger und nachhaltiger im iPod gepumpt als so manch bombastisch budgetiertes, aber in letzter Konsequenz doch berechnendes und langweiliges Majorprodukt. Der Untergrund bebt.