22.05.07 Steffen Bauer

Marco Polo – Port Authority

Marco Polo - Port Authority
3.5 Sterne Rating

Kanada, das zweitgrößte Land der Erde, ist trotz einiger guter Rapper wie Saukrates, Kardinal Offishal oder Moka Only den meisten Leuten weniger für Hiphop bekannt, als für seine weiten Waldgebiete oder schreckliche Popmusik à la Avril Lavigne oder Céline Dion. Um diesen Zustand zu ändern, veröffentlicht nun der kanadische Producer Marco Polo eine Produzenten-LP namens »Port Authority«.

Seit 2002 in New York ansässig, hat er bereits einige gute Tracks für Masta Ace oder die Boot Camp Clik aus dem Ärmel gezaubert und darüber hinaus das Pumpkinhead-Album »Orange Moon Over Brooklyn« aus dem Jahre 2005 praktisch in Alleinregie produziert. »Port Authority«, das als Jointventure über Soulspazm und Rawkus erscheint, weist eine beachtliche Featureliste auf. Neben einigen altgedienten (Kool G Rap, Large Professor, OC, Edo G…) kommen auch unbekanntere MCs (Jayshaun, Rock Marciano…) und eine Menge andere talentierte Leute (Kev Brown, Wordsworth, Supastition, Copywrite…) zu Wort.

Die ersten beiden Beiträge nach dem Intro stammen von Copywrite (»Get Busy«) und OC (»Marquee«). Beide Tracks sind zwar anständig produziert und gerappt, doch mehr eben auch nicht. Zu einfach und zu uninteressant. Der darauf folgende Track, »War«, mit Marcos kanadischem Kollegen Kardinal Offishal, der vor geraumer Zeit einen Deal bei Akons Label Konvict Music unterschrieben hat, weiß jedoch zu überzeugen. Besonders die Hook hat einen hypnotisierenden Effekt und Kardinals Leistung unterstreicht mal wieder, dass der Mann definitiv mehr Beachtung verdient hat (»One is for the money, two is for the skill, three is for all my ni**as, who sample Kill Bill, four is for the Djs who still carry crates and five is for wack ni**as gettin punched in their face for spittin that bullshit!«). Hoffentlich wird Kardinals weiterer Karriereverlauf nicht zu sehr durch die momentan allgegenwärtige Nervensäge Akon beeinflusst.

Auch der nächste Track featuret einen Rapper, dem viel zu wenig Respekt gezollt wird. »Nostalgia« mit Masta Ace klingt wie er heißt und erinnert ein wenig an Pete-Rock-Produktionen der späten Neunziger. Auf gut deutsch: er klingt fantastisch! Das dazugehörige Video, das bereits seit einigen Wochen im Internet kursiert, kommt ohne große Überraschungen aus und ist dennoch sehr sehenswert.

Die nächsten Tracks sind allesamt nicht schlecht, doch auch hier gibt es nicht besonders Aufregendes zu verzeichnen. Da helfen auch die Beiträge der geschätzten Gäste nicht wirklich weiter. Marcos Beats sind eben nicht gerade das was man unter »innovativ« versteht. Doch einige Male springt der Funke auch über. Der nächste wirklich spannende Track ist »Lay It Down« mit dem relativ unbekannten Rock Marciano am Mikrofon, der jedoch nicht der Grund für das gute Gelingen ist. Es ist vielmehr der rollende Beat, dessen Energie in der Hook durch einige Scratches noch zusätzlich verstärkt wird. Der umgekehrte Fall ist bei »Go Around« mit Buckshot zu beobachten. Buckshot umschmeichelt den soulgeladenen Beat gekonnt mit seiner smoothen Stimme (»Damn, they don’t wanna see me lovely and smile, they just wanna see me ugly and foul!«). Der Beat erinnert abermals an die Produktionen eines gewissen Herrn Phillips. Auch »Hood Tales« mit dem großen Kool G Rap und DV Alias Khrist ist ein ziemlich smoother Track, in dem G Rap eben jene Geschichten von der Straße erzählt, welche seit jeher seine Lyrics beeinflusst haben.

Eine mit dem bereits erwähnten »Lay It Down« vergleichbare Stimmung weist »Heat« mit Supastition auf. Der Beat ist sehr energiegeladen und der Rapper aus North Carolina wird dieser Energie im Vergleich zu Rock Marciano auch gerecht (»I set flames to the industry, I’m back to blaze! They say I’m too oldschool, I just act my age!«). Die drei Veteranen AG (D.I.T.C.), Ju Ju (Beatnuts) und Sadat X (Brand Nubian) vereinen sich auf »Rollin« um ihre Teamplayer-Qualitäten unter Beweis zu stellen. Das Stück ist eine Ode an Mary Jane. Dieses Thema ist zwar in der Hiphop-Geschichte schon geschätzte 100.000 Mal behandelt worden, doch die drei machen ihren Job ordentlich, wenngleich man sich für ein solches Dreamteam einen etwas interessanteren Beat gewünscht hätte. Der vorletzte Track, »For The Future«, weiß durch Gelassenheit und die optimistischen Lyrics von Critically Acclaimed zu überzeugen. Beim letzten Stück des Albums, »Relax«, stellt man sich jedoch die Frage, was genau Marco Polos Aufgabe bei dessen Entstehung war, denn es handelt sich dabei um ein Cover von »Electric Relaxation« von A Tribe Called Quest. J*Davey liefert die Vocals und der Beat stammt eigentlich vom Tribe selbst. Dennoch ein in Ordnung gehendes Cover.

»Port Authority« ist sicherlich nicht besonders innovativ und auch kein Album, bei dem man Skippen gänzlich vermeiden kann, doch einige Perlen sind definitiv vorhanden. Die meisten der Gäste liefern gute bis sehr gute Leistungen ab und auch Marco Polos Beats kann man beim besten Willen nicht unterstellen, dass sie whack wären, doch man hat das Gefühl, dass hier wohl mehr drin gewesen wäre. Vielleicht hat sich Marco die richtigen Bomben ja nur für das nächste Album der Boot Camp Clik oder der Supergroup EMC (Masta Ace, Wordsworth, Punchline, Strick) aufgehoben. Die Zeit wird zeigen, ob er sich ein wenig vom Neunzigersound lösen kann, denn ansonsten wird er wohl nur wenigen im Gedächtnis bleiben.

  
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