14.02.08 Alexander Engelen
Nicolay & Kay
– Time:Line
»Ein Soundtrack für die gemeinsame Arbeit am Weltfrieden.«
Wäre HipHop internationale Politik, Nicolay hieße Ban Ki-moon. Der holländische Produzent und der südkoreanische Generalsekretär der Vereinten Nationen engagieren sich nicht nur jeweils in einer zutiefst amerikanischen Geschichte. Beide zeichnen sich außerdem durch ungebrochenen Optimismus, überdurchschnittliche Motivation, außergewöhnliches Verständnis ihres Handwerks und relative Erfolglosigkeit aus. Den Krisenherden Klingeltonrap und Youtube-Tanzparade setzt Nicolay nun in Zusammenarbeit mit dem Rapper Kay Jackson »Time:Line« entgegen und bleibt seiner musikalischen Linie treu.
Wenn irgendetwas das oft herangezogene Prädikat samtweicher Klangteppich verdient, dann sind es die Kompositionen (!) des Holländers. Wie kaum ein anderer webt er Schicht um Schicht in ein konstantes Wohlfühlklangbild, ohne dies nur einmal in Richtung Überladung auszureizen. Zudem hat er in Kay Jackson ein rappendes Äquivalent gefunden — zurückhaltend, eingängig, aber bei genauem hinhören viel tiefsinniger als erwartet. Zusätzlich vertraut Nicolay wie auf dem letztjährigen »Here« auf eher unbekannte Stimme aus dem Untergrund. Wer als prominenteste Kollaborateure Oh No oder Chip Fu nennt, setzt Erwartungshaltung runter, den unbedarften Hörgenuss aber umso höher — it’s all simple mathematics.
In der Nicolayschen Diskografie tänzelt die patentierte Bassline also auf »Time:Line« knappe 50 Minuten weiter und erfüllt einmal mehr die Mission der Gemütsberuhigung hollandaise – ein Soundtrack für die gemeinsame Arbeit am Weltfrieden.